Die 10 wichtigsten Fragen zum Mindestlohn bei 450 Euro Jobs

Der Mindestlohn. Wer hat Anspruch auf brutto 8,50 Euro pro Stunde und wer nicht? Dieser Beitrag beantwortet die wichtigsten Fragen.


Seit 1. Januar 2015 gilt in Deutschland ein gesetzlicher Mindestlohn von brutto 8,50 Euro pro Stunde. Geregelt ist dies im "Gesetz zur Regelung eines allgemeinen Mindestlohns", dem Mindestlohngesetz "MiLoG". Doch keine Regel ohne Ausnahme, und das Mindestlohngesetz kennt viele dieser Ausnahmen. Das bedeutet, dass viele Menschen in Deutschland weiterhin für weniger als 8,50 Euro pro Stunde arbeiten werden.


Die 10 wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Mindestlohn:

1. Gilt der Mindestlohn auch für 450 Euro Jobs?
Ja. Der § 1 Mindestlohngesetz ist deutlich. Absatz (1) sagt: "Jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf Zahlung eines Arbeitsentgelts mindestens in Höhe des Mindestlohns durch den Arbeitgeber.". Wie Sie sehen unterscheidet das Gesetz nicht zwischen Vollzeit, Teilzeit oder geringfügigem Beschäftigungsverhältnis (450 Euro Job).

2. Wie hoch ist der Mindestlohn?
Der Mindestlohns beträgt 8,50 Euro brutto pro Stunde. Nachlesen können Sie das im § 1 Mindestlohngesetz. Im Absatz (2) sehen Sie: "Die Höhe des Mindestlohns beträgt ab dem 1. Januar 2015 brutto 8,50 Euro je Zeitstunde.". Beachten Sie bitte, dass der Mindestlohn zwar 8,50 Euro brutto beträgt, aber der vielen Ausnahmen wegen Sie eventuell für weniger arbeiten müssen.

3. Seit wann gilt der Mindestlohn?
Der Mindestlohn gilt seit dem 1. Januar 2015. Für einige Branchen gelten jedoch Übergangsfristen bis Ende 2017.

4. Ich bin minderjährig, also noch keine 18 Jahre alt. Habe ich Anspruch auf 8,50 Euro Mindestlohn?
Vermutlich Nein. § 22 Mindestlohngesetz sagt im Absatz (2): "Personen im Sinne von § 2 Absatz 1 und 2 des Jugendarbeitsschutzgesetzes ohne abgeschlossene Berufsausbildung gelten nicht als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Sinne dieses Gesetzes.". Da sie also vermutlich nicht als Arbeitnehmer im Sinne des Mindestlohngesetzes gelten, haben Sie auch keinen Anspruch auf den Mindestlohn.

5. Gilt der Mindestlohn auch in Ostdeutschland?
Ja. Der Mindestlohn gilt bundesweit. Es gibt keine Unterscheidungen nach Bundesland.

6. Wird der Mindestlohn an die allgemeine Lohnentwicklung angepasst?
Ja. Eine Kommission, die sogenannte "Mindestlohnkommission", wird alle 2 Jahre eine Anhebung des Mindestlohns vorschlagen. Das Mindestlohngesetz widmet dem Thema "Mindestlohnkommission" einen ganzen Unterabschnitt (siehe § 4 bis § 12).

7. Ich bin langzeitarbeitslos. Bekomme ich den Mindestlohn wenn ich Arbeit finde?
Nein. In den ersten 6 Monaten haben Sie keinen Anspruch auf den Mindestlohn. Erst ab dem 7. Monat haben Langzeitarbeitslose Anspruch auf den Mindestlohn. Lesen Sie dazu bitte den Absatz (4) im § 22 Mindestlohngesetz, der die Sache gut beschreibt.

8. Ich werde nach Stück bezahlt, nicht nach Zeit. Wie ist das da mit dem Mindestlohn?
Viele Tätigkeiten werden nach Stück und nicht nach Stunde entlohnt. Dieser Stücklohn muss vom Arbeitgeber künftig so gestaltet werden, dass der Arbeitnehmer mindestens den gesetzliche Mindestlohn erreicht.

Beispiel: Wer Zeitungen austrägt wird oft nach Stück bezahlt. Künftig muss der Arbeitgeber die Stückzahl so gestalten, dass ein durchschnittlich flinker Austräger in einer Stunde den Mindestlohn erreichen kann.

9. Ich trage Zeitungen aus und bin volljährig. Bekomme ich den Mindestlohn?
Ja. Für Zeitungsausträger gilt jedoch eine zeitliche Staffelung:
  • 6,38 Euro pro Stunde (das sind 75% von 8,50 Euro) ab 1.1.2015
  • 7,23 Euro pro Stunde (das sind 85% von 8,50 Euro) ab 1.1.2016
  • 8,50 Euro pro Stunde mindestens ab 1.1.2017
  • Ab 1.1.2018 gilt der von der Mindestlohnkommission bestimmte Mindestlohn.
Im § 24 Mindestlohngesetz Absatz (2) können Sie den Gesetzestext lesen.

10. Ich arbeite auf 450 Euro Basis im Haushalt eines älteren Ehepaars, keine Firma. Bekomme ich den Mindestlohn?
Ja. Es spielt keine Rolle ob es sich beim Arbeitgeber um einen privaten Arbeitgeber (z.B. Privathaushalt) oder um einen gewerblichen Arbeitgeber (z.B. Firma) handelt.